sen Mangel nicht zu beheben. Eine solche "Akklamation" ohne Diskussion ist keine demokratische
Abstimmung. Die näheren Umstände der angeblichen Selbstauflösung der SRP bedürfen daher nicht
der Klärung.
2. Stellt das Bundesverfassungsgericht die Verfassungswidrigkeit einer politischen Partei fest, so
wird die Prüfung der Frage unabweislich, ob die Abgeordneten dieser Partei in den gesetzgebenden
Körperschaften ihre Mandate behalten können. Das Bundesverfassungsgericht ist zu der
Überzeugung gelangt, daß diese Frage verneint werden muß. Dafür sind folgende Erwägungen
bestimmend:
Das Grundgesetz trägt, wie schon ausgeführt, der politischen Wirklichkeit insofern Rechnung, als es
ausdrücklich anerkennt, daß die Parteien bei der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken.
Damit wird auch in der Verfassung selbst, nämlich in Art. 21 und 38 GG, das besondere
Spannungsverhältnis erkennbar, das in der Doppelstellung des Abgeordneten als Vertreters des
gesamten Volkes und zugleich als Exponenten einer konkreten Parteiorganisation liegt. Diese
beiden Vorschriften lassen sich theoretisch schwer in Einklang bringen: auf der einen Seite
erscheinen die Parteien als hauptsächliche Träger der politischen Willensbildung des Volkes, auf der
anderen Seite soll aber der Abgeordnete, der doch in aller Regel über eine Partei sein Mandat
erhält, als Vertreter des Gesamtvolkes und nicht als Repräsentant seiner Partei gesehen werden.
Der Gegensatz verliert freilich an theoretischer Schärfe, wenn man sich vergegenwärtigt, daß es
sich bei Art. 38 GG um einen Satz aus dem gesicherten ideologischen Bestand des
Verfassungsrechts der liberalen Demokratie handelt, den der Verfassungsgesetzgeber als
herkömmlich und daher unbedenklich übernommen hat, ohne daß ihm dabei die prinzipielle
Unvereinbarkeit mit Art. 21 GG voll deutlich geworden wäre. Immerhin hat sich die Auslegung mit
der in diesen positiven Normen des Grundgesetzes in Erscheinung tretenden Spannungslage
auseinanderzusetzen. Die Lösung kann nur so erfolgen, daß ermittelt wird, welches PrinBVerfGE 2, 1 (23.10.1952 - 1 BvB 1/51)
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zip bei der Entscheidung einer konkreten verfassungsrechtlichen Frage jeweils das höhere Gewicht
hat.
Im Anschluß an die Ausführungen unter E läßt sich die Bedeutung des Art. 21 GG dahin
zusammenfassen: Absatz 1 dieser Bestimmung erkennt an, daß die Parteien an der politischen
Willensbildung des Volkes mitwirken, und hebt sie damit aus dem Bereich des PolitischSoziologischen in den Rang einer verfassungsrechtlichen Institution. An dieser "Inkorporation" der
Parteien in das Verfassungsgefüge können politisch sinnvoll nur die Parteien teilhaben, die auf dem
Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung stehen. Dies wird durch Absatz 2 bestätigt.
Er hat die Bedeutung, die Feststellung zu ermöglichen, daß eine bestimmte Partei nicht an der
politischen Willensbildung des Volkes teilnehmen darf, weil sie die freiheitliche demokratische
Grundordnung bekämpft. Lediglich aus rechtsstaatlichen Erwägungen ist bestimmt, daß die
Feststellung der Verfassungswidrigkeit mit rechtlicher Wirkung nicht von jedermann, auch nicht von
Regierung und Verwaltung, und nicht in jedem Verfahren getroffen werden kann, sondern nur
durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts in einem der Erforschung der materiellen Wahrheit
dienenden Verfahren.
Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in einem Verfahren nach Art. 21 Abs. 2 GG steht
fest, daß die Partei - von Anfang an oder von dem im Urteil bezeichneten Zeitpunkt ab - wegen des
mit den demokratischen Grundprinzipien in Widerspruch stehenden Inhalts ihrer politischen
Vorstellungswelt die Voraussetzungen für die Mitwirkung bei der politischen Willensbildung des
Volkes nicht erfüllt hat. Ist dem aber so, dann kann sich die Wirkung des Urteils nicht in der
http://beck-online.beck.de/Bcid/Y-300-Z-BVERFGE-B-2-S-1-N-1
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1/31/2023
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