kommissarischen Leitung des Kreisverbandes Heidelberg der SRP. Ihre offizielle Ernennung erfolgt
in der nächsten Mitgliederversammlung durch Abstimmung der Mitglieder."
f) Auch die Bildung von Nebenorganisationen, wie der "Reichsfront", der "Reichsjugend" und des
"Frauenbundes", geschah ganz offensichtlich nach dem Vorbild der NSDAP. Die Reichsfront war als
Kampf- und Kerntruppe nach Art der SA und SS gedacht und wurde auch ähnlich eingeteilt. Das
Führerprinzip kam in ihr verstärkt zum Ausdruck. Für die Reichsjugend waren sogar die gleichen
Uniformen wie für die HJ vorgesehen, nur mit dem Unterschied, daß die Farbe des HemBVerfGE 2, 1 (23.10.1952 - 1 BvB 1/51)
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des olivgrün statt braun war. Dem Frauenbund waren die gleichen Aufgaben wie die der NSFrauenschaft und zusätzlich die der NSV zugedacht. Da immerhin diese Nebenorganisationen noch
keine Bedeutung erlangt haben, die Reichsfront kurz nach der Gründung aufgelöst wurde und die
Reichsjugend sich infolge parteiinterner Auseinandersetzungen ihres Führers Matthaei von der
Partei trennte, wird davon abgesehen, auf diese Nebenorganisationen näher einzugehen.
g) Nach dem oben unter E Gesagten muß die Tatsache, daß die Organisation der SRP auf dem
Führerprinzip aufgebaut ist und daß die Satzung und ihre Handhabung demokratischen
Grundsätzen weitgehend widerspricht, im Zusammenhang mit der deutlichen Anlehnung der SRP an
das Organisationsbild der NSDAP zu dem Schluß führen, daß sie ebenso wie jene danach strebt, die
eigene Organisationsstruktur auf den Staat zu übertragen, sobald sie zur Macht gekommen ist, und
damit die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen.
Die SRP hat versucht darzutun, daß sie das Führerprinzip der NSDAP ablehne und daß die
autoritären Züge ihrer Satzung Ausdruck eines von ihr angestrebten "demokratischen
Führungsprinzips" seien. Überzeugende Aufklärung darüber, worin das Wesen dieses
Führungsprinzips bestehe und wodurch es sich vom Führerprinzip unterscheide, haben die Vertreter
der SRP nicht geben können. Es besteht daher der Eindruck, daß das Führungsprinzip nur das durch
das Fehlen eines "Führers" modifizierte Führerprinzip sei.
IV.
Das Parteiprogramm der SRP ist aus dem ursprünglich von der Parteileitung aufgestellten
"Aktionsprogramm" entwickelt worden. Seine wichtigsten Sätze wurden als "politische Thesen"
besonders formuliert.
Das Programm zeigt im Gesamtstil aufschlußreiche Ähnlichkeiten mit dem der NSDAP. Wie dieses
ergeht es sich weiterhin in Gemeinplätzen, stellt allgemeine Forderungen auf, die Gemeingut
nahezu aller Parteien oder gar schon Wirklichkeit
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sind, und macht den verschiedenen Gruppen des Volkes vage, häufig utopische und miteinander
kaum vereinbare wirtschaftliche Versprechungen (z.B. "weitestgehende Sicherung der Ernährung
aus den eigenen landwirtschaftlichen Möglichkeiten" und "volksgebundenen Sozialismus"). Ein
klares Bekenntnis zur Demokratie fehlt. Bei der allgemeinen Unverbindlichkeit des Programms
kommt ihm geringer Wert für die Erkenntnis der wahren Ziele der SRP zu. Diese lassen sich
vielmehr nur in Verbindung mit den Äußerungen der führenden Funktionäre einigermaßen deutlich
erkennen.
Besonders auffällig ist die starke Betonung des Reichsgedankens. Für das deutsche Volk hat die
Reichsidee einen besonderen Gefühlswert. Nach den bitteren Erfahrungen der deutschen
Geschichte ist sie der Ausdruck der Sehnsucht des deutschen Volkes nach nationaler Einheit. Von
http://beck-online.beck.de/Bcid/Y-300-Z-BVERFGE-B-2-S-1-N-1
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1/31/2023