schaftlichen Mißstände
den Zorn der verelendeten Massen
gegen die
Juden zu lenken. So kam es in der Vergangenheit oft zu Pogromen,
bei denen Tausende jüdischer Menschen getötet, ihre Wohn- und Arbeitsstätten geplündert und gebrandschatzt wurden.
Die bürgerlichen Revolutionen überwanden in den meisten europä-
ischen Ländern den Antisemitismus und brachten den Juden die rechtliche und soziale Gleichstellung. Die verspätete und unvollendet ge-
bliebene bürgerliche Revolution in Deutschland beschränkte die jüdische Emanzipation auf die Gleichstellung der Juden vor dern Gesetz.
Im deutschen Volksdenken wurde der Antisemitismus jedoch erhalten, Sein Wesen veränderte sich lediglich insofern, als die vorwiegend
religiöse Ursache des Antisemitismus im Mittelalter zugunsten des
Vorwandes des antagonistischen Völker- und Rassengegensatzes zu-
rücktrat. Am stärksten veränderte sich die Funktion des Antisemitis-
mus mit der Anmeldung des Anspruches auf Weltherrschaft durch den
aggressiven
junkerlich-bourgeoisen
der „Rassismus“
die Rechtfertigung
deutschen
Imperialismus,
dem
für die imperialistische Aggres-
sion und die Unterdrückung fremder Völker gab.
Die
Propagandisten
des
„Alldeutschen
Verbandes“
brachten
vor
dem ersten Weltkrieg die Losung auf, die Deutschen seien ein „Volk
ohne
Raum“,
ten Gebiete
deutschen
deshalb habe ihnen das Schicksal die schwachbesiedel-
Osteuropas
Volkes
zugedacht;
die
berufe es, über „Völker
„völkische
Hochzucht“
des
niederer Rasse“
zu herr-
schen.
Houston Stewart Chamberlain entwickelte in seinem Buch „Die
Grundlagen des XIX. Jahrhunderts“ eine „Geschichtsphilosophie*,
nach der die
den „Ariern“
Menschheit fast
(Indogermanen)
alle bedeutenden Kulturschöpfungen
und unter diesen hauptsächlich den
Germanen verdanke. Diese Ideen übten auf die deutschen Chauvinisten von Wilhelm IT. bis zu Hitler starken Einfluß aus.
Ein
weiterer
„Rassentheoretiker“,
Otto
Ammon,
versuchte
stati-
stisch nachzuweisen, daß der Anteil der germanischen Rasse unter
den Angehörigen der „höheren Stände“ besser erhalten sei als in
den niederen Schichten, womit die Herrschaft der ersteren infolge
ihrer besseren Blutzusammensetzung notwendig sei.
Politische Abenteurer wie Hiller und seine engsten Gefolgsmän-
ner erkannten schon bald nach dem verlorenen ersten Weltkrieg,
daß dessen Ausgang die deutschen Imperialisten nicht von ihrer Zielsetzung nach Erlangung der Weltherrschaft abgebracht hatte. Sie
stellten sich in den Dienst des deutschen Imperialismus.
Im Jähre 1919 wurde die NSDAP gegründet. Sie stellte sich als
Ziel eine antikommunistische Massenbewegung. Unter Ausnutzung
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