Drucks. 14/7752, S. 25). Die Zubilligung einer Geldentschädigung im Fall einer schweren
Persönlichkeitsrechtsverletzung beruht dabei auf dem Gedanken, dass ohne einen solchen
Anspruch Verletzungen der Würde und Ehre des Menschen häufig ohne Sanktion blieben,
mit der Folge, dass der Rechtsschutz der Persönlichkeit verkümmern würde. Bei dieser
Entschädigung steht – anders als beim Schmerzensgeld – regelmäßig der Gesichtspunkt der
Genugtuung des Opfers im Vordergrund. Außerdem soll sie der Prävention dienen (vgl. BGH,
Urteil vom 05.10.2004, VI ZR 255/03, Juris, Rn. 13; BGH, Urteil vom 24.03.2011, IX ZR
180/11, Rn. 40; BGH, Urteil vom 29.04.2014, VI ZR 246/12, Juris. Rn. 18; jeweils m.w.N.).
Die streitgegenständlichen Veröffentlichungen unterliegen dabei nur in dem Umfang der
139
Prüfung durch den Senat, wie die Klägerin aus ihnen Verletzungen des Persönlichkeitsrechts
ableiten möchte. Da im Zivilprozess aufgrund der Parteiherrschaft nur der Kläger den
Streitgegenstand bestimmt, ist es dem Senat verwehrt, die vorgelegten Veröffentlichungen
auf etwaige andere als die gerügten Persönlichkeitsrechtsverletzungen hin zu überprüfen
(vgl. Zöller/Vollkommer, 31. Aufl. 2016, EINLEITUNG, Rn. 65). So wendet die Klägerin sich
beispielsweise nicht unter dem Gesichtspunkt des ebenfalls vom Persönlichkeitsrecht
geschützten Rechts auf informationelle Selbstbestimmung dagegen, dass im Artikel vom
23.05.2011 Einzelheiten zu dem nach seiner Haftentlassung nunmehr privaten Aufenthaltsort
des Klägers im Seniorenheim mitgeteilt werden.
a)
140
Die beanstandeten Veröffentlichungen greifen – ggf. mit Ausnahme der als
141
Tatsachenbehauptungen zu qualifizierenden Äußerungen aus dem Artikel vom 02.12.2009,
der verstorbene Kläger habe mit einer Ärztin geflirtet – in den Schutzbereich des allgemeinen
Persönlichkeitsrechts des verstorbenen Klägers, teilweise in dessen Privat-, teilweise in
dessen Sozialsphäre ein (zum Schutzbereich vgl. BGH, Urteil vom 17.12.2013, VI ZR 211/12;
BVerfG, Beschluss vom 23.10.2007, 1 BvR 150/06, NJW 2008, 747; BVerfG, Beschluss vom
25.10.2005, 1 BvR 1696/98, NJW 2006, 207, m.w.N.; zur Sozialsphäre vgl. BVerfG, NJW
2003, 1109, 1110; BGH, Urteil vom 20.01.1981, VI ZR 162/79, BGHZ 80, 25, 35, „Der
Aufmacher I“; BGH, Urteil vom 07.12.2004, VI ZR 308/03, BGHZ 161, 266, 268; BGH, Urteil
vom 24.06.2008, VI ZR 156/06, BGHZ 177, 119, Rn. 17 ff.; BGH, Urteil vom 21.11.2006, VI
ZR 259/05, VersR 2007, 511, Rn. 12; BGH, Urteil vom 17.11.2009, VI ZR 226/08, Rn. 21;
BGH, Urteil vom 10.11.1994, I ZR 216/92, AfP 1995, 404, 407, „Dubioses
Geschäftsgebaren“; BGH, Urteil vom 20.12.2011, VI ZR 261/10, Juris Rn. 16; zur
Privatsphäre vgl. BVerfGE 101, 361, 382, „Caroline von Monaco II“; BVerfG, NJW 2000,
2193; BVerfG, NJW 2000, 2194, 2195; BGH, Urteil vom 26.01.1965, VI ZR 204/63, JZ 1965,
411, 413, „Gretna Green“; BGH, Urteil vom 19.12.1978, VI ZR 137/77, BGHZ 73, 120, 122,
„Telefongespräch“; BGH, Urteil vom 20.01.1981, VI ZR 163/79, VersR 1981, 384, 385, „Der
Aufmacher II“; BGH, Urteil vom 10.03.1987, VI ZR 244/85, „BND-Interna“; BGH, Urteil vom
09.12.2003, VI ZR 373/02; Wanckel in Götting/Schertz/Seitz, Handbuch des
Persönlichkeitsrechts, 2008, § 19 Rn. 5 ff.; Wenzel/Burkhardt, Das Recht der Wort- und
Bildberichterstattung, 5. Aufl., Kap. 5 Rn. 54 ff.).
b)
142
Die vorstehend genannten Veröffentlichungen stellen überwiegend schon keinen
rechtswidrigen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des verstorbenen Klägers dar.
143
Wegen der Eigenart des Persönlichkeitsrechts als eines Rahmenrechts liegt seine Reichweite 144
nicht absolut fest, sondern muss erst durch eine Abwägung der widerstreitenden
grundrechtlich geschützten Belange bestimmt werden, bei der die besonderen Umstände des