Ihre Familie auf. Ich mache alles für Sie. Ich koche, ich putze, ich mache alles. “ Ich sagte der Frau, dass ich ihr nicht helfen könne. Die Frau hatte keine Häftlingskleidung an, war noch normal gekleidet. Sie war völlig durcheinander und flehte mich an, ihr doch zu helfen. Ich sagte ihr noch einmal, dass ich ihr nicht helfen könne. Ich erklärte der Frau, sie solle ganz langsam in Richtung der Häuser in Richtung Polen gehen. Dort könne man ihr vielleicht helfen. Ich sagte ihr, sie solle äußerst langsam gehen, damit man nicht den Eindruck hätte, sie würde vor etwas flüchten. Die Frau ging dann auch ganz langsam und nach vorn gebeugt in Richtung der Häuser, die ich ihr angewiesen hatte und verschwand dort. Ich musste damals nicht an dem Zaun Wache schieben, ich habe mir das nur angeguckt und bin da herumspaziert. Ich kann mich noch erinnern, dass uns gesagt wurde, die Transporte kämen jetzt nicht mehr über Auschwitz I, sondern Birkenau bekäme einen eigenen Anschluss. Schon auf halber Strecke, wenn man sich vom Stammlager I in Richtung Birkenau begab, nahm man den Geruch der sich dort befindenden Krematorien wahr. Ich wollte absolut nicht nach Birkenau, ich wusste wohl, was dort los war. Ich habe immer zugesehen, dass ich dort nicht zum Einsatz kam. 110 Ich muss noch erwähnen, dass man sich als Mitglied der Wachmannschaft frei innerhalb des 111 Stammlagers bewegen konnte. Während des Wachdienstes kontrollierte ich einen Häftling, der in der Nähe der Kommandatur ein Fahrzeug reparierte. Er hatte Sträflingskleidung an. Ich fragte ihn, ob er auch das Fahrzeug ordnungsgemäß reparieren könne. Er antwortete, dass er dies gelernt habe. Ich fragte ihn, wo er herkomme. Er antwortete, dass er aus O 4 stamme. Ich teilte ihm mit, dass ich aus O 6 käme und fragte ihn, ob er O 6 kennen würde. Dies bejahte der Häftling. Am nächsten Tag kontrollierte ich den Häftling erneut. Der Häftling sprach mich an und fragte mich, ob ich ihm einen Gefallen tun könne. Ich fragte ihn, was er denn wolle. Er fragte mich dann, ob ich nicht einen Brief an seine Frau mitnehmen könne. Ich sagte ihm, ich wisse nicht, was auf mich zukomme, wenn dies jemand in Erfahrung brächte. Der Häftling bat mich noch einmal, ich möge ihm diesen Gefallen doch tun. Ich sagte ihm dann, dass der Transport des Briefes große Gefahren für mich bedeuten würde. Ich würde es mir noch einmal überlegen. Dieses Gespräch fand statt, kurz bevor ich meinen Heimaturlaub antreten konnte. Wenige Tage später traf ich diesen Häftling erneut im Bereich der Kraftfahrzeugwerkstatt im Stammlager. Der Häftling bat mich nochmals, ihm diesen großen Gefallen doch zu tun. Ich sagte ihm, wenn ich beim Transport dieses Briefes erwischt würde, wäre ich dran. Ob er denn wisse, was mich zu erwarten hätte. Der Häftling bat mich trotzdem noch einmal eindringlich und sagte, dass seine Frau in O 4 lebe. Sie wisse nicht einmal, wo er sei. Der Häftling holte dann den Brief aus der inneren Jackentasche. Ich habe ihn schnell an mich genommen und eingesteckt. Als ich meinen Heimaturlaub angetreten habe, bin ich mit dem Fahrrad nach O 4 gefahren. Ich habe meine Uniform jedoch nicht angezogen. Das war mir zu riskant. Die Frau des Häftlings lebte ein oder zwei Straßen unterhalb der X-Straße in O 4. Ich habe diese Frau schließlich gefunden und ihr den Brief übergeben. Ich habe nicht viel mit der Frau gesprochen. Die Frau wollte wissen, von wem dieser Brief denn sei. Ich habe ihr gesagt, ich wisse es nicht. Ich habe sie gefragt, ob sie den Brief annehmen würde oder nicht. Schließlich nahm sie ihn an. Ich habe mich dann schnell mit meinem Fahrrad entfernt. Ich hatte mich der Frau weder vorgestellt noch einen Namen genannt. Ich kann nicht sagen, was aus dem Häftling, der mir den Brief übergeben hat, geworden ist. Wenn ich vorher gesagt habe, dass wir uns im Stammlager frei bewegen konnten, so trifft dies nicht ganz zu. Die eigentlichen Blocks, in welchen die Häftlinge untergebracht waren, konnten wir ohne weiteres nicht betreten. In den Blocks selbst hatte nach meinem Wissenstand keiner der SS-Leute etwas zu suchen. Wir durften in diese Blocks nicht hinein. 112

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