haben sie ganz überwiegend den Großteil ihrer Angehörigen verloren, manche sind sogar die
einzigen Überlebenden ihrer gesamten Großfamilie. Von dem Tod ihrer Angehörigen erfuhren
die zu diesem Zeitpunkt zumeist noch jugendlichen Nebenkläger auf ihre bange Frage nach
deren Verbleib auf grausame Weise durch die lapidare Mitteilung, dass diese bereits „durch
den Schornstein gegangen“ seien. Mit ihren Verwandten verloren die Nebenkläger auch ihre
bisherige Heimat, da ihre Wohnungen und Häuser sowie der gesamte Familienbesitz nach
den Deportationen von anderen Menschen in Besitz genommen worden waren. Viele der
Überlebenden verließen daraufhin ihre Heimatländer und wanderten in die USA, nach
Kanada, Israel und in andere Länder aus, wo sie sich ohne die Unterstützung ihrer
Verwandten ein neues Leben aufbauen mussten. Die Vorstellung von dem schrecklichen Tod
ihrer Angehörigen, die nicht zuletzt aufgrund ihrer eigenen Erinnerung an die grausame
Lagerwirklichkeit für sie in der Folgezeit stets gegenwärtig war, prägt und belastet die
Überlebenden noch immer. Alpträume und Schuldgefühle gegenüber den Verstorbenen
gehören bis heute zu ihrem Leben. Die Weitergabe des Erlebten und des Leidens ihrer
Angehörigen zur Mahnung künftiger Generationen ist ihnen Verpflichtung und wesentlicher
Lebensinhalt.
III.
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Der Angeklagte hat sich durch eine von seinem Verteidiger verlesene und von ihm bestätigte
Erklärung wie folgt zu seiner Person und zur Sache eingelassen:
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„Ich wurde am 28.12.1921 in 0 1, heute 0 9, damals Kreis 02, als Sohn des Arbeiters P 2 und
dessen Ehefrau P 3, geboren. Aufgewachsen bin ich in O 3, einem heutigen Stadtteil von O
6, Kreis O 10. Meine Familie bestand aus meinen Eltern, meiner zwei Jahre jüngeren
Schwester und einer weiteren, allerdings 14 Jahre jüngeren Schwester. Ich besuchte
zunächst von meinem 7. Lebensjahr an die Volksschule in O 3. Dort blieb ich bis zu meinem
14. Lebensjahr. Ich wuchs in einem Elternhaus auf, in welchem die politische Gesinnung
nicht im Vordergrund stand. Mein Vater selbst hielt vom Nationalsozialismus nicht viel, war
insbesondere nicht Mitglied der NSDAP.
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Als ich 13 Jahre alt war, schlossen sich die Schulkameraden aus meiner Klasse der
Hitlerjugend an. Auch ich trat mit 13 Jahren, im Jahre 1935, genauer gesagt am 20. April
1935, in die Hitlerjugend ein. Die Mädchen und Schulkameradinnen meiner Klasse schlossen
sich größtenteils dem Bund Deutscher Mädel an. Fortan fanden zunächst nur sporadisch,
dann jedoch öfter Versammlungen bzw. Treffen der Mitglieder der Hitlerjugend statt. Die
Treffen der Hitlerjugend wurden zunächst vom Bürgermeister des Dorfes O 3 abgehalten.
Jedes Mitglied der Hitlerjugend bekam ein hellbraunes Hemd. Während dieser Treffen der
Hitlerjugend haben wir viel Sport getrieben und gemeinsame Wanderungen unternommen.
Nach meiner Erinnerung ging es während dieser Treffen weniger um die politische Bildung
der Jungen, sondern vielmehr um ihre sportliche Betätigung, das Durchführen von
Wettkämpfen usw. Da mein Heimatort, der Ort O 3, damals sehr klein war, befanden wir uns
mit ca. zehn Hitlerjungen in der Hitlerjugend. Wenn Wettkämpfe stattfanden, liefen die
Veranstaltungen mehr über die Kreisebene. In O 4, der nächstgrößeren Stadt, war die
Hitlerjugend schon anders organisiert. Hier fanden auch öfter Wettkämpfe statt, an denen wir
teilnahmen.
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Mit 14 Jahren beendete ich die Volksschule und nahm eine Arbeitsstelle in einer Fabrik in O 4
an. Ich musste also früh morgens mit dem Fahrrad jeden Tag zunächst einmal nach O 4
fahren, um zur Arbeitsstelle zu gelangen. Dort angekommen, habe ich den ganzen Tag
schwer arbeiten müssen. Wenn ich dann abends mit dem Fahrrad von O 4 nach O 3
zurückfuhr, war es oft schon dunkel. Ich war auch müde und kaputt. Ich hatte oft gar keine
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