dieser, bester deutscher Tradition entsprechenden Reichsidee unterscheidet sich der Reichsgedanke
der SRP. Die "Treue zum Reich" wird im Vorspruch des Aktionsprogramms als oberstes Gesetz für
alle Parteimitglieder aufgestellt. Damit ist nicht das Bekenntnis zum Deutschen Reich als einem
gleichberechtigten Glied der europäischen Staatengemeinschaft, also ein vertretbares politisches
Ziel gemeint. Eine nähere Betrachtung zeigt vielmehr, daß der Reichsgedanke von der SRP in der
spezifischen Tönung verwendet wird, wie er von nationalistischen Literaten und dann vergröbert
vom Nationalsozialismus vertreten wurde. Nach der nationalsozialistischen Ideologie ist das Reich
eine "volkhafte Großraumordnung", ein "germanischer Staat deutscher Nation" (Adolf Hitler, Mein
Kampf, 18. Aufl. 1933, S. 263). Dieses "völkische" Reich beansprucht "zur Wiederherstellung der
Grundlagen einer vernünftigen mitteleuropäischen Ordnung entscheidend" in die Geschichte
anderer Völker einzugreifen (Erlaß v. 16. März 1939, RGBl. I S. 485).
Eine von Dr. Krüger verfaßte Schrift führt den Titel "Das unzerstörbare Reich". Hier erscheint
deutlich der Reichsmythos, wie er in einem breiten Schrifttum aus den Reihen der Gegner
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der Weimarer Republik entwickelt wurde. Das Reich wird hier nicht als konkretes Staatsgebilde in
einem bestimmten Raum und einer bestimmten historischen Zeit, sondern als verstiegene
mythische Inkarnation einer die deutsche Geschichte durchwirkenden Idee gesehen. Darin
schwingen Vorstellungen von einer dem deutschen Volke zukommenden besonderen Sendung mit,
die sich auf den Höhepunkten der deutschen Geschichte in einer Reichsbildung manifestiert habe.
Das so erzeugte Sendungsbewußtsein verbindet sich folgerichtig mit der Lehre von einer
Suprematie der "deutschen Rasse".
Die SRP ist, wie schon die NSDAP, aber auch bereit, aus dem zunächst mehr mythisch gefaßten
Reichsgedanken sehr reale Folgerungen zu ziehen. Der erste Entwurf des Programms, der sich in
einem beschlagnahmten Notizbuch Dr. Krügers (Urk. 222) findet, spricht von den geschichtlichen
Grenzen, die für das Reich gefordert werden. "Diese werden nicht bestimmt durch eine willkürlich
herausgegriffene historische Jahreszahl." Im Programm der SRP findet sich der Satz: "Maßgebend
ist allein der sich aus Geschichte, Menschen- und Völkerrecht ergebende deutsche Anspruch an den
Reichsraum." Richter-Rößler schreibt im FR-Brief 2/52 (Urk. 225):
"Daß dieses Deutschland nur ein Deutschland sein kann, das seine Grenzen dort nur finden darf, wo
die Siedlungen seiner Menschen zu Beginn des Krieges als Einheit ihr Ende fanden, ist für uns so
selbstverständlich, daß sich jedes Wort hierüber erübrigt."
Dieses wiederhergestellte Reich soll nach einem weiteren Satze des Programms der "stärkste
Faktor einer in sich selbst ruhenden Ordnung Mitteleuropas sein, ohne deren Wiederherstellung die
Aufrichtung eines politisch selbständigen lebensfähigen Europas nicht möglich ist. Nur ein solcher
Ordnungsfaktor vermag auch die Loyalität gegenüber den nationalen Minderheiten zu
gewährleisten, deren Vorhandensein für den mitteleuropäischen Raum kennzeichnend ist." Hier
wird deutlich der Anspruch der SRP auf eine deutsche Hegemonialstellung in Europa angemelBVerfGE 2, 1 (23.10.1952 - 1 BvB 1/51)
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det und damit Hitlers Plan von einem durch Deutschland beherrschten Großraum wieder
aufgenommen.
V.
Wie aus der personellen und organisatorischen Verwandtschaft der SRP mit der NSDAP, so wird
auch im Verhalten der Partei und ihrer Anhänger das Ziel erkennbar, die freiheitliche demokratische
Grundordnung zu erschüttern.
http://beck-online.beck.de/Bcid/Y-300-Z-BVERFGE-B-2-S-1-N-1
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