Am 25. Oktober 1950 (Urk. 71) teilt Finke an Luthardt zwei Anschriften mit, darunter die eines
gewissen Schorin, der "alter Mann von Goebbels" sei und sich zur Mitarbeit bereit erklärt habe. Er
empfiehlt, die Verbindung aufzunehmen.
An Heller empfiehlt Finke am 4. Juli 1951 (Urk. 73) einen früheren SS-Kameraden, der
außerordentlich aktiv, aber noch in Gruppe 2 eingestuft sei. Er könne zwar nicht herausgestellt
werden, würde aber jede ihm übertragene Aufgabe erledigen.
Ein weiteres Schreiben Finkes vom 18. Juli 1951 (Urk. 61) an Dr. Festge berichtet, daß Remer in
Göttingen einen früheren SA-Oberführer Stein "oder so ähnlich" kennengelernt und gewonnen
habe. Festge soll sich um ihn bemühen.
Ebenso kennzeichnend ist ein Schreiben Finkes an Hopp vom 3. März 1951 (Urk. 74), in welchem er
einen ihm namentlich nicht bekannten HJ-Oberbannführer in Osterholz als geeigneten
Repräsentanten des dortigen Kreisverbandes empfiehlt.
BVerfGE 2, 1 (23.10.1952 - 1 BvB 1/51)
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Eine solche Einstellung hat aber nicht nur Finke. Knoke schreibt am 14. August 1951 an Finke (Urk.
60):
"Der neue Bez.-Ltr. für Hannover ist gefunden. Als Bez.-Ltr. habe ich den Kam. Lohel vorgesehen.
Lohel ist Redner. Er war früher HJ-Gebietsführer im Gebiet Nordsee. Ich kenne ihn seit langem.
Lohel ist eine prächtige Type. Für uns nur ein Gewinn."
In dem Schreiben eines südwestdeutschen Funktionärs, das bei dem Landesverband Württemberg
beschlagnahmt wurde (Urk. 261), heißt es:
"Der langen Rede kurzer Sinn: Nordmann ist nach meinem Dafürhalten der Mann, der hier in Ulm
den Verein auf die Beine bringen kann. Er ist bereit, sich rückhaltslos einzusetzen, also auch in aller
Öffentlichkeit. Einige Daten über ihn: ca. 40 Jahre alt, knapp, schätze ich. Stammt aus Berlin, war
höherer SA-Führer, steinalter Kämpfer, lange Zeit persönlicher Adjutant von Juppchen Goebbels,
kennt sich in der Reichskanzlei recht gut aus. Kurz und gut, ein Kerl vom alten Schlage. Ich
garantiere, daß, wenn Remer kommt, er mindestens 50 Mann 100prozentig zuverlässige Männer
auf die Beine bringt.. ."
Bezeichnend ist in diesen Briefen, daß sie durchweg außer über die nationalsozialistische
Vergangenheit keine konkreten Angaben über die Person der Empfohlenen enthalten. Diese
Vergangenheit genügt durchaus, um ihnen noch vor ihrem Eintritt in die SRP ein Parteiamt
anzutragen.
Aus dem Kreisverband Aurich liegen 14 Versammlungsberichte des Zeugen Wenninga vor, eines
Ortsgruppenpropagandaleiters der NSDAP aus dem Jahre 1928, der den Kreisverband Aurich
organisiert hat (Urk. 78 bis 91). Diese Berichte zeigen besonders plastisch, wie ein ganzer
Kreisverband systematisch durch Heranziehung alter Nationalsozialisten aufgebaut wird. Wo
Wenninga eine Versammlung abhalten lassen will, tritt er stets zunächst an den früheren
Ortsgruppenleiter der NSDAP, einen SA-Führer oder ein sonstiges ihm von früher bekanntes eifriges
Mitglied der NSDAP heran, besorgt durch sie Anschriftenlisten und lädt dann ehemalige
Nationalsozialisten, gelegentlich auch Stahlhelmer, besonders ein.
BVerfGE 2, 1 (23.10.1952 - 1 BvB 1/51)
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Vergeblich versucht die Antragsgegnerin, die Verantwortung für diese Art der Parteiwerbung von
sich abzuwehren, indem sie Wenninga als beschränkten Menschen bezeichnet, der auf eigene Hand
gehandelt habe, nie als Kreisverbandsvorsitzender eingesetzt und später abgeschüttelt worden sei.
http://beck-online.beck.de/Bcid/Y-300-Z-BVERFGE-B-2-S-1-N-1
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