Neben der traditionell-konservativen Richtung entwickeln sich andere rechtsstehende
Oppositionsgrupnen, die von vornherein in vielen Schattierungen radikalere Gedanken vertreten
und nicht nur eine politische, sondern eine allgemeine gesellschaftliche und geistige Erneuerung
erstreben. Dabei machen sich Strömungen geltend, die bereits in den letzten Jahrzehnten des
Kaiserreiches - aus mannigfachen Quellen gespeist - sichtbar geworden waren und die einem
Leitbild folgen, das man mit einem Ausdruck Hugo von Hofmannsthals als "konservative
Revolution" zu bezeichnen sich gewöhnt hat. Hier wird versucht, gegen Materialismus und
Rationalismus ethische Werte, bisweilen in spezifisch christlicher Tönung, wachzurufen. Ideen von
einem
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"ständischen Staatsaufbau", einer "sozialen Monarchie" werden erörtert. Der Gedanke eines
"Dritten Reiches", gedacht als ein Reich der sittlichen Erneuerung, entsteht. Hieraus ergibt sich ein
Gegensatz zu dem angeblichen "Parteienwirrwarr" des liberalen demokratischen Staates. Im
einzelnen sind diese Ideen romantisch, unrealistisch. Zu praktischer Auswirkung kommen sie nicht,
auch deshalb nicht, weil sich eine starke politische Führerpersönlichkeit in diesen Schichten von
"Intellektuellen" nicht findet.
Radikalere Kreise drängen ungeduldig zu raschem politischen Handeln. Hier wirken in Begegnung
mit "alldeutschen" Gedankengängen politische Vorstellungen, die sich unter dem Einfluß des
Kriegserlebnisses geformt haben und in dem Gedanken der Überlegenheit des Deutschtums über
die anderen Völker gipfeln. Bei vielen jungen Menschen hat der Kriegsausgang zusammen mit der
ihm folgenden wirtschaftlichen Not ein tiefgehendes Ressentiment erzeugt, das von vornherein eine
Richtung gegen den demokratischen Staat nimmt, weil den Kreisen, die diesen Staat tragen, die
Schuld am Kriegsverlust und seinen Folgen beigemessen wird. Die "Dolchstoß"-Lüge findet hier
unschwer Anklang, weil sie dem soldatischen Selbstgefühl schmeichelt. Die Anhänger dieser
Gedanken sammeln sich in den verschiedenen "Freikorps". In politischen Morden, die als nationale
Taten gefeiert werden, macht sich ihre Stimmung Luft. Schlagworte wie "Korruption des
demokratischen Parteienstaates", "verhängnisvolle Rolle der Juden im öffentlichen Leben",
"Überlegenheit der germanischen Rasse", "Volk ohne Raum" wirken auf große Teile unreifer Jugend
mächtig ein. Junge Offiziere des Weltkrieges werfen sich zu Führern dieser Gruppen auf. Sie
verkünden die Ideale einer betont männlichen Führung mit unbedingter Sauberkeit, Kameradschaft
und Treue. Es entstehen zahlreiche unter sich vielfach uneinige "vaterländische Verbände", von
denen einer, die Nationalsozialisten, durch die Persönlichkeit Hitlers sein besonderes Gepräge erhält
und sich als politische Partei organisiert. Unter seinem Einfluß nimmt die
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"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" von vornherein eine stark antisemitische Richtung.
Bestimmend wird ferner in Anlehnung an militärische Vorstellungen und in deutlicher polemischer
Abkehr von den demokratischen Formen des öffentlichen Lebens der Grundsatz straffer Führung
von oben nach unten, das "Führerprinzip". Im übrigen wird der Stil dieser Partei durch rational
schwer faßbare Leitbilder charakterisiert, die sich u. a. in einer Mythisierung des Fronterlebnisses,
in Ordensideen, in der Entwicklung eines übersteigerten Ehrbegriffs und in der Mißleitung echter
patriotischer Gefühle manifestieren. Literarische Einflüsse (Oswald Spengler) und das Vorbild des
italienischen Faschismus spielen mit. Nebenorganisationen der Partei werden straff militärisch
aufgebaut und sollen den jüngeren Anhängern, besonders den Arbeitslosen, das Gefühl sozialen
Unwerts nehmen. Die äußeren Formen des Auftretens der Partei und ihrer Verbände sprechen
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