dass man mit den Kameraden über alles sprechen konnte. Dort konnte sich jeder auf den anderen verlassen. Man brauchte sich niemals darüber Gedanken zu machen, dass - wenn ein Kamerad dem anderen etwas erzählte - dies weitergetragen wurde. In Auschwitz war das anders. Hier habe ich so gut wie niemandem getraut. Es wurde auch wenig gesprochen. Man wusste ja nie, wenn man irgendetwas sagte, ob es nicht an andere weitergetragen wurde. Hinzu kam, dass unter den SS-Soldaten des Wachbataillons auch welche ihren Dienst versahen, die der deutschen Sprache nicht oder nur unzureichend mächtig waren. Zwar wurde im Lager, wenn man länger dort war, schon einmal das eine oder andere Wort zwischen den Kameraden und Mitgliedern des Wachbataillons gesprochen. Ich bin der Meinung, dass jeder, der Mitglied des Wachbataillons war, wusste, was dort geschah. Dieses Wissen bestand meines Erachtens unabhängig vom jeweils geleisteten Dienst. Natürlich waren andere Kameraden näher dran, andere weniger nah. Mit nah dran meine ich nah an den Tötungshandlungen. Nach einigen Wochen oder Monaten, ich weiß es nicht mehr genau, wurde ich zum regulären 106 Wachdienst eingeteilt. Diese Wachdienste waren nach meiner Erinnerung in den sogenannten Tag- und Nachtdienst eingeteilt, der jeweils für zwölf Stunden andauerte. Der Wachdienst dauerte dann jeweils 5-6 Tage. Im Anschluss daran hatte man zwei Tage Freizeit. Nach meiner Erinnerung haben auch die Kompanien untereinander den Wachdienst getauscht, so dass diejenige Kompanie, der man dort angehörte, immer nur turnusmäßig diesen Wachdienst zu absolvieren hatte. Während des Wachdienstes war ich mit einem Karabiner, einer sogenannten „98er“ bewaffnet. Ferner trug ich im Innendienst eine Pistole. Ich habe auch öfter den Wachdienst in der inneren Postenkette absolviert. Ich kann mich erinnern, dass ich während des Wachdienstes in der inneren Postenkette auf einem Wachturm eingesetzt war. Es handelte sich um den Hauptturm. Dieser Wachturm lag direkt neben oder über dem Wachlokal, genau weiß ich das nicht mehr. In diesem Wachturm war auch ein Telefon vorhanden. Dies war außergewöhnlich, da es nicht in jedem Wachturm der inneren Postenkette ein Telefon gab. Auf diesem Hauptturm befanden sich große Scheinwerfer. Diese Scheinwerfer, sogenannte Strahler, waren nachts nicht durchgängig angeschaltet. Sobald man aber eine Bewegung wahrnahm oder irgendetwas unklar war, wurden diese großen Strahler angeschaltet. Die Scheinwerfer waren beweglich. Man konnte so die Strecke, über welche der Elektrozaun geführt war, ableuchten. Das Stammlager Auschwitz I war von einer doppelten Reihe Betonpfosten umgeben. Diese waren etwa drei Meter hoch und mit Stromleitungen ziemlich eng bespannt. Es handelte sich um Hochspannungsleitungen, also um Starkstromleitungen. Vor diesen beiden Zäunen mit Hochspannungsleitungen war noch ein normaler Drahtzaun angebracht. Wir hatten als Mitglieder des Wachbataillons zunächst darauf zu achten, dass niemand diesen Drahtzaun berühren konnte. Schon, wenn jemand diesen normalen Drahtzaun berührte, hatten wir, wenn wir innerhalb der inneren Postenkette auf den Wachtürmen Wachdienst hatten, Schießbefehl. Der Strom wurde des Nachts in den Zaun geladen. Die Wachtürme, die sich innerhalb der kleinen Postenkette befanden, standen nicht so weit auseinander. Nach meiner Erinnerung wurden die Wachtürme der inneren Postenkette nur nachts besetzt. Wenn die Wachtürme nachts besetzt wurden, wurde auch der Strom im Zaun eingeschaltet. Wenn ich mich richtig erinnere, waren die Türme, also die Wachtürme der inneren Postenkette, tagsüber nicht besetzt. Das ging dann im Wechsel über auf die äußere Postenkette, die weiter entfernt war. Dort habe ich jedoch keinen Wachdienst ausgeübt, ich war in der inneren Postenkette eingesetzt. Für die Häftlinge war es meines Erachtens unmöglich zu flüchten, schon gar nicht, wenn der Elektrozaun eingeschaltet wurde. Wenn man nachts auf dem Wachturm Dienst hatte, so konnte man mit den dort installierten Scheinwerfern und Strahlern auch in das Lagerinnere hineinleuchten. Allerdings waren die Scheinwerfer nicht durchgängig an. Sobald man jedoch eine Bewegung im Lager selbst oder irgendetwas Ungewöhnliches

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