Einführung der Übertragbarkeit und Vererblichkeit des Schmerzensgeldanspruches dessen
vormals höchstpersönlichen Charakter bewusst aufgegeben hat (ohne dies freilich in den
Gesetzesmaterialien auch begrifflich anzuerkennen, vgl. Gesetzentwurf, BT-Drucks. 11/4415,
S. 4), ändert – wie bereits dargelegt – mangels Regelungswillens zum
Geldentschädigungsanspruch nichts an dessen Charakterisierung. Daher hat der
Bundesgerichtshof an dieser Charakterisierung des Anspruchs festgehalten und daraus
nunmehr auch seine Unvererblichkeit abgeleitet (BGH, Urteil vom 29.04.2014, VI ZR 246/12,
BGHZ 201, 45, Rn. 12, „Berichterstattung über trauernden Entertainer“).
(3)
206
Zum anderen und entscheidend folgt die Unvererblichkeit des
207
Geldentschädigungsanspruches aus seiner Funktion (BGH, Urteil vom 29.04.2014, VI ZR
249/12, BGHZ 201, 45, Rn. 18, „Berichterstattung über trauernden Entertainer“). Bei der
Zuerkennung einer Geldentschädigung im Falle einer schweren
Persönlichkeitsrechtsverletzung steht regelmäßig der Genugtuungsgedanke im Vordergrund
(BGH, Beschluss vom 10.01.2006, VI ZB 26/05, Juris Rn. 16; BGH, Urteil vom 06.12.2005, VI
ZR 265/04, BGHZ 165, 203, Rn. 13, „Postmortaler Persönlichkeitsschutz“; BGH, Urteil vom
05.10.2004, VI ZR 255/03, BGHZ 160, 298, 302, „Tochter von Caroline von Hannover“; BGH,
Urteil vom 15.11.1994, VI ZR 56/94, BGHZ 128, 1, 15, „Erfundenes Exclusiv-Interview“; BGH,
Urteil vom 05.12.1995, VI ZR 332/94, Juris Rn. 13, „Caroline von Monaco“; BGH, Urteil vom
04.06.1974, VI ZR 68/73, Juris Rn. 32, „Fiete Schulze“). Da einem Verstorbenen Genugtuung
für die Verletzung seiner Persönlichkeit nicht mehr verschafft werden kann, scheidet die
Zuerkennung einer Geldentschädigung im Falle der Verletzung des postmortalen
Persönlichkeitsschutzes aus (BGH, Urteil vom 06.12.2005, VI ZR 265/04, BGHZ 165, 203,
Rn. 13, „Postmortaler Persönlichkeitsschutz“, m.w.N.; BGH, Urteil vom 04.06.1974, VI ZR
68/73, Juris Rn. 32, „Fiete Schulze“). Erfolgt die Verletzung des Persönlichkeitsrechts zwar
noch zu Lebzeiten des Verletzten, stirbt dieser aber, bevor sein Entschädigungsanspruch
erfüllt worden ist, verliert die mit der Geldentschädigung bezweckte Genugtuung regelmäßig
ebenfalls an Bedeutung (a.A. Beuthin, GRUR 2014, 957, 958, der die Genugtuung offenbar
bereits darin verwirklicht sieht, dass der Betroffene sich auf dem Sterbebett gewiss sein kann,
dass der Verletzter auch nach seinem Tod noch wird zahlen müssen). Gründe, vom
Fortbestehen des Geldentschädigungsanspruchs über den Tod des Verletzten hinaus
auszugehen, bestehen unter diesem Gesichtspunkt im Allgemeinen mithin nicht (BGH, Urteil
vom 29.04.2014, VI ZR 249/12, BGHZ 201, 45, Rn. 18, „Berichterstattung über trauernden
Entertainer“).
Der dem Anspruch ebenfalls innewohnende Gedanke der Prävention führt im Grundsatz zu
208
keiner anderen Beurteilung (BGH, Urteil vom 29.04.2014, VI ZR 249/12, BGHZ 201, 45, Rn.
19, „Berichterstattung über trauernden Entertainer“). Zwar trifft es zu, dass der
Geldentschädigungsanspruch auch – insbesondere im Rahmen der hier nicht vorliegenden
Fallgruppe der Zwangskommerzialisierung – der Prävention dient (BGH, Urteil vom
17.12.2013, VI ZR 211/12, BGHZ 199, 237, Rn. 38, „Sächsische Korruptionsaffäre“; BGH,
Urteil vom 06.12.2005, VI ZR 265/04, BGHZ 165, 203, Rn. 14, „Postmortaler
Persönlichkeitsschutz“, m.w.N.; BGH, Urteil vom 05.10.2004, VI ZR 255/03, BGHZ 160, 298,
Rn. 13, „Tochter von Caroline von Hannover“). Der Präventionsgedanke vermag die
Gewährung einer Geldentschädigung aber nicht alleine zu tragen (BGH, Urteil vom
06.12.2005, VI ZR 265/04, BGHZ 165, 203, Rn. 14, „Postmortaler Persönlichkeitsschutz“,
m.w.N.; BGH, Urteil vom 05.03.1974, VI ZR 228/72, Juris Rn. 37). Dies wirkt sich nicht nur –
wie im Falle postmortaler Persönlichkeitsrechtsverletzungen – auf die Beurteilung der Frage
aus, ob der Geldentschädigungsanspruch auch unabhängig von seiner Genugtuungsfunktion