Ihre Darstellung wird schon dadurch widerlegt, daß die 14 Berichte beim Landesverband gefunden
wurden und die SRP selbst nicht behauptet, daß sie beanstandet worden seien. Der auf Antrag der
SRP (gemäß § 60 StPO uneidlich) als Zeuge vernommene Wenninga, der übrigens durchaus keinen
beschränkten Eindruck machte, bekundete ferner, daß die Parteileitung ihm einen Parteistempel zur
Verfügung gestellt und daß der Landesverband mit ihm als Kreisverbandsleiter korrespondiert habe,
wenn auch keine ausdrückliche Ernennung erfolgt sei. Ferner ist Wenninga auf die Liste der
Landesredner gesetzt worden. Das überraschende Wahlergebnis (es fehlten der SRP im Wahlkreis
Aurich nur 65 Stimmen zum Siege) ist jedenfalls neben dem persönlichen Ansehen des dort
aufgestellten Kandidaten Trauernicht unverkennbar in erster Linie der nationalsozialistischen
Propaganda dieses Zeugen zuzurechnen.
c) Dem Bestreben der Parteiinstanzen, aktive Nationalsozialisten heranzuziehen, entspricht die in
gewissen Kreisen alter Nationalsozialisten hervortretende Neigung, sich der SRP anzuschließen.
Zahlreiche Zuschriften an Parteistellen bestätigen die magnetische Anziehungskraft, die die SRP
gerade auf solche frühere Nationalsozialisten ausübt, die in den alten Vorstellungen verharren.
Dabei ist vor allem die Art von Bedeutung, wie die Funktionäre der SRP auf solche Zuschriften
reagieren. Nicht in einem einzigen Falle ist eine Distanzierung von diesen unbelehrbaren Elementen
festzustellen. In allen Fällen wurden sie freudig begrüßt.
So schreibt ein Franz Jaenicke an die Kreisleitung Heidelberg am 11. Januar 1951 (Urk. 48):
"Gerne würde ich persönlich mitarbeiten, aber leider sind mir noch durch den
Spruchkammerbescheid die Hände gebunden. Durch
BVerfGE 2, 1 (23.10.1952 - 1 BvB 1/51)
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meine Freundschaft mit Dr. Josef G. und meinen Schriftwechsel mit R. Heß wurde ich in Gruppe II
eingestuft. Bin PG von 1923 u. wurde im Juni 23 vom Führer nach Ostpreußen geschickt, um
Ostpreußen zu organisieren. Dann war ich Wahlredner im Kreise Flatow/Grenzmark. Dann
Ortsgruppenleiter und SA-Führer in Cottbus. Als solcher veranstaltete ich den ersten Berliner SAAufmarsch in der Lausitz. Dann gründete ich im Auftrage von Dr. G. den ersten Berliner
Automobilklub. Aus diesem wurde dann später das NSKK. Seit 1930 war ich SA-Sturmbannf., führte
dann mit Hauptmann Brandt das NS-Fliegerkorps und später die tech. Lehrstürme. 1933 arbeitete
ich im Deutschen Technikerverband, den wir dann zur Deutschen Arbeitsfront überführten. 1934
wurde ich zum Aufbau der Luftwaffe zum Reichsluftfahrtministerium einberufen und wurde dort
Fliegerhauptingenieur . . . Die Schreiben von PG Dr. G. u. von Rudolf Heß sind von der Speyerer
Polizei der Spruchkammer vorgelegt worden. War Träger des Goldenen Parteiabzeichens, Mitglied
Nr. 41 111, des Frontbannabzeichens und Dienstauszeichnung I, II u. III.
Nun, glaube ich, habe ich Ihnen meinen politischen Werdegang ausführlich geschildert. Vorher war
ich im Hauptvorstand des deutsch-völkischen Schutz- u. Trutzbundes Berlin, hatte auch dort die
Goldene Ehrennadel. Selbstverständlich war ich Freikorpskämpfer Oberschles. OC und Ruhrgebiet."
Die Antwort vom 25. Januar 1951 (Urk. 48 a) lautet:
"Mit Freuden haben wir Ihren Brief gelesen und bedauern es wirklich, daß Ihnen durch Ihren
Spruchkammerbescheid noch die Hände gebunden sind. Hoffentlich tritt in dieser Beziehung bald
eine Änderung ein, und wir würden uns dann freuen, Sie in unseren Reihen begrüßen zu können.
Mit kameradschaftlichen Grüßen."
Am 27. März 1951 (Urk. 48 b) teilt der Kreisverband dann der Parteileitung mit, daß Jaenicke dort
aktiv tätig sei.
Ein Hermann Becking aus Schapen schreibt am 2. Dezember 1951 (Urk. 49) an Remer:
http://beck-online.beck.de/Bcid/Y-300-Z-BVERFGE-B-2-S-1-N-1
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