- Quelle: beck-online DIE DATENBANK deshalb löscht, er aber andererseits hinsichtlich des Beklagten den Zusatz „nach eigenen Angaben“ bezüglich seiner Fähigkeiten zum Spielen von Musikinstrumenten bedeutsam genug für einen Eintrag hält. Den Ausführungen des Landgerichts Hamburg war der Beklagte auch für eine „Fehlgewichtung des Lebenswerks“ einer Schriftstellerin verantwortlich, wobei er bezüglich dieser eine „sie zu Unrecht in eine rechte Ecke stellende Darstellung“ verwandte. Das Landgericht Hamburg bescheinigt dem Beklagten diesbezüglich „den Maßstab der Objektivität in relevanter Weise verlassen und Beiträge zu einzelnen Personen mit kritischen Passagen in erheblicher, das öffentliche Interesse steigernder Weise beeinflusst zu haben“ sowie in prägender Weise Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung anderer Personen ausgeübt zu haben und dabei den Maßstab der Objektivität „in der dargestellten drastischen Weise“ verlassen zu haben (LG Hamburg, Urteil vom 20.02.2019 - 324 O 468/18 -, Rn. 124 ff., 126, juris). 55Der Beklagte missbraucht durch dieses Vorgehen die auf Objektivität angelegte Enzyklopädie Wikipedia und das dieser von der Öffentlichkeit entgegen gebrachte Vertrauen um die öffentliche Darstellung von ihm politisch nicht genehmen Personen negativ zu beeinflussen. Durch die vorsätzliche Behauptung von unwahren Tatsachen und die von subjektiven Erwägungen geleitete und gegen die internen Richtlinien von Wikipedia verstoßende, bewusst einseitige und verzerrende Darstellung hat der Beklagte den Wikipedia-Eintrag des Klägers maßgeblich in negativer Art und Weise geprägt. Es liegt insgesamt ein vorsätzlicher, rechtswidriger und schuldhafter Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers vor. 56bb. Auch die weiteren Voraussetzungen eines Geldentschädigungsanspruches gegen den Beklagten liegen hier vor. Die in Folge der Bearbeitung des streitgegenständlichen Wikipedia-Artikels gegebene Persönlichkeitsverletzung des Klägers ist besonders schwerwiegend. Die hierdurch verursachte, nicht vermögensmäßige Einbuße des Klägers kann auf andere Weise als durch Zahlung einer Geldentschädigung nicht ausgeglichen werden. 57Ob eine schwerwiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts vorliegt, die die Zahlung einer Geldentschädigung erfordert, hängt insbesondere von der Bedeutung und Tragweite des Eingriffs ab, also von Ausmaß und Intensität der Ausstrahlung, von der Nachhaltigkeit und Fortdauer der Interessen- oder Rufschädigung des Verletzten sowie dem Anlass und Beweggrund des Handelnden sowie dem Grad seines Verschuldens (ständige Rechtsprechung, vgl. etwa BGH, Urteil vom 17.12.2013 - VI ZR 211/12 -, BGHZ 199, 237270, Rn. 38 m.w.N.). Dabei ist der besonderen Funktion der Geldentschädigung bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen Rechnung zu tragen. Diese besteht in einer Genugtuung des Verletzten für den erlittenen widerrechtlichen Eingriff. Sie findet ihre sachliche Berechtigung auch in dem Gedanken, dass das Persönlichkeitsrecht gerade bei erheblichen Beeinträchtigungen anderenfalls ohne ausreichenden Schutz bliebe (OLG Hamm, Urteil vom 04.02.2004 - 3 U 168/03 -, Rn. 41-42, juris). Außerdem soll die Geldentschädigung der Prävention dienen (BGH, Urteil vom 05.12.1995 - VI ZR 332/94 -, Rn. 13, juris). 58Unter Zugrundlegung dieser Maßstäbe ist von einer schwerwiegenden, die Zahlung einer Geldentschädigung erfordernden Verletzung des Persönlichkeitsrechts auszugehen. Die vom Beklagten vorgenommenen Einträge geben dem Wikipedia-Artikel des Klägers ein ausgesprochen negatives Gesamtgepräge und beinhalten darüber hinaus schlicht unwahre Tatsachenbehauptungen. Die Einträge sind insgesamt geeignet, den Kläger in der öffentlichen Meinung nachhaltig herabzuwürdigen. Wie bereits ausgeführt kommt dem 13 von 15 http://beck-online.beck.de/Bcid/Y-300-Z-GRURRS-B-2021-N-420 © Verlag C.H.BECK oHG 2024 3/25/2024

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