Menschen in eine große Duschhalle geführt, wo sie sich waschen mussten. Dazu gab es
weder Seife noch Handtücher zum Abtrocknen, so dass sie im Anschluss nass die ihnen
zugewiesene, gestreifte Häftlingskleidung – Hose und Jacke bzw. Kleid, Mütze, Holzschuhe,
keine Unterwäsche, keine Strümpfe – anziehen mussten. Die Kleidung wurde von den
Häftlingen in der Folge Tag und Nacht getragen. Wechselbekleidung gab es nicht.
Untergebracht wurden die Deportierten in einfachen Holzbaracken, die teilweise noch nicht
einmal einen Boden hatten. Sie boten keinen hinreichenden Schutz vor Kälte und
Feuchtigkeit. Einige waren mit einfachsten Holzpritschen ausgestattet, auf denen bis zu
sechs Personen mit einer einzigen Decke schlafen mussten. Andere Baracken verfügten
noch nicht einmal über solch einfache Pritschen, die Menschen mussten dann auf dem
nackten Boden liegen. Zweimal täglich wurde die Anwesenheit der Häftlinge im Rahmen
eines Appells, bei dem die Gefangenen oft stundenlang stillstehen mussten, überprüft. Die
Tage im Lager waren für die Gefangenen von ständigen Schikanen und Gewalttaten der
Aufseher geprägt. Das SS-Personal ließ die Inhaftierten bei jeder Gelegenheit spüren, dass
sie entrechtet und unterworfen waren. Bei Begegnungen mit SS-Angehörigen mussten sie
sofort die Mützen vom Kopf nehmen und durften ihnen nicht in die Augen sehen. Bei
Verstößen, aber auch völlig willkürlich und ohne jeden Anlass, gab es Schläge sowie andere
Misshandlungen und Quälereien. Angst war deshalb ein immer gegenwärtiges und das
vorherrschende Gefühl bei den Inhaftierten.
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Die Existenzbedingungen der Häftlinge waren so unmenschlich, dass sie in der Regel
innerhalb weniger Wochen zum Tod führten. Die Häftlinge wurden quantitativ und qualitativ
völlig unzureichend ernährt. Sie erhielten am Morgen eine Tasse Ersatzkaffee oder Tee,
mittags einen Schöpflöffel wässriger Suppe und am Abend eine Scheibe Brot mit einem
kleinen Stück Margarine. Die bewusste Unterernährung hatte schnell Folgen. Neben einem
quälenden, andauernden und den ganzen Menschen beherrschenden Hungergefühl bewirkte
sie einen schnellen Abbau der körperlichen und geistigen Kräfte. Die Menschen nahmen
extrem an Gewicht ab. Nach Verbrauch der körpereigenen Reserven an Kohlenhydraten,
Fetten und Proteinen zeigte sich eine starke Auszehrung des Körpers, die bereits äußerlich
anhand des knöchernen Schädels und der hervorspringenden Knochen an Schultern,
Schlüsselbeinen, Hüften und Knien klar zu erkennen und die häufig von auffälligen,
schmerzhaften Hungerödemen begleitet war. Im weiteren Verlauf trat eine allgemeine
Atrophie mit zunehmender Rückbildung der inneren Organe auf, die organische Minder- und
Fehlfunktionen mit entsprechenden schwersten körperlichen Beschwerden und Schmerzen
nach sich zog bis hin zum vollständigen Organversagen und dem dadurch bewirkten Tod der
Menschen. Bis zum Todeseintritt erlitten die Menschen schwere körperliche und – angesichts
des bewusst erlebten körperlichen und geistigen Abbaus, der offensichtlich langsam zum
Tode führte – auch seelische Qualen. Der quälende, ständig vorhandene und alles
beherrschende Hunger bewirkte nicht zuletzt in vielen Fällen auch gravierende
Verhaltensänderungen bei den Gefangenen. Von erbitterten Kämpfen um das wenige zur
Verfügung stehende Essen über die fieberhafte Suche nach weiteren Nahrungsquellen bis
hin zum Verzehr ungenießbarer Abfälle und von Leichenteilen beseitigte der Hunger die
menschlichen Hemmschwellen.
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Der Verlauf der Hungerkrankheit wurde durch die übrigen Lebensumstände forciert. Nach
Ablauf der Quarantänezeit wurden die Gefangenen verschiedenen Arbeitskommandos
zugeteilt, bei denen sie täglich zehn Stunden Schwerstarbeit zu leisten hatten. Sie wurden
unter anderem bei dem Bau und dem Betrieb der Siemens-Werke und der IG-Farben, im
Straßenbau, in der Landwirtschaft, aber auch innerhalb des Lagers, zum Beispiel im Lager
„Kanada“ beim Sortieren des Häftlingsgutes, im Häftlingskrankenbau und bei den an den
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